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Was so alles passieren kann,
während eines Dienstes!!
oder
Geschichten, welche die Welt
noch nie vermisst hat
An dieser Stelle wollen wir nicht die sonst üblichen
Einsatzberichte zeigen die dem Nicht-Rettungsbären
den Angstschweiß auf die Stirn treiben.
Auch wollen wir nicht über Heldenaktionen
berichten, die den Leser in ehrfürchtiges Staunen versetzen
und uns dann in Ruhm und Ehre baden.
Nein, es sollen die Kleinen Geschichtchen
sein, die ehrlich passieren, zu denen wir meist zufällig
dazustoßen und wo wir durch vielleicht kleine Handreichungen
viel erreichen können.
Um die betreffenden Personen zu schützen,
sind diese Erlebniserzählungen dahingehend
abgewandelt, dass weder Namen, Zeitpunkt und Ort des Geschehens
verfremdet sind.
Wir bitten um ihr Verständnis!
Irgendwann , an einem Samstagnachmittag im
Sommer 2006
An diesem besagten Samstagnachmittag saß
ich zusammen mit meiner Einsatzmaschine am Rasthof Leipheim
und genoss meine nicht Arbeitsvertraglich geregelte Pausenzeit.
( Die Einsatzmaschine stand natürlich vorschriftsmäßig
geparkt an meiner Seite) Es war zu dieser Zeit auf der Autobahn
nicht allzu viel los, daher konnte ich mich den Beobachtungen
der Reisenden widmen. Leipheim ist, ein beliebter Treffpunkt
verschiedenster Buslinien nicht nur Reisebusse, sondern auch
einige internationaler Buslinien. Diese Buslinien haben dort
ihre regelmäßigen Pinkelpausen und davon
handelt die Geschichte auch.
Wie gesagt, ich beobachtete die sich streckenden
und reckenden Touristen die in mehr oder weniger eiligem Schritt
zu den Toilettenanlagen stiebten. Interessant, aber nicht wissenschaftlich
fundiert ist meine Erkenntnis, dass je mehr Busse in den Parkbuchten
und plätzen stehen, die Reisenden ein höheres
Tempo zu den besagten Anlagen an den Tag legen.
Wie ich da über diese oben gemachte Erkenntnis
sinnierte, und den abfahrenden Reisebussen hinterschaute kam
eine sehr aufgebrachte junge Dame mit unverkennbarem südländischem
Temperament zu mir her und entriss mich schlagartig dieser sinnlosen
Studien.
Sie kam aus dem Süden Spaniens und wollte
mit dem Bus nach Wien. Auch sie widmete sich gestresst der Pinkelpause,
aber da zu diesem Zeitpunkt wie schon erwähnt mehrere recht
gut besetzte Busse da waren, war die Wartezeit des Busses mit
der Warteschlage vor der Damentoilette nicht kompatibel. So
fuhr der Bus ohne Fahrgastkontrolle ohne sie weiter und sie
stand mit nichts außer ihrer Handtasche und dem Reiseticket
da.
Es klingt ja sehr kurz und einleuchtend, es muss
aber dazu gesagt werden, dass ihre Spanisch und Portugisischkenntnisse
mit meinen Deutsch-/Englischkenntnissen erst in Einklang gebracht
werden mussten, d. h. mordio Gezeter und Hände und Füße
.
Das erste war der Versuch meinerseits, den Busfahrer
per Handy zu erreichen, und ihn evtl. an einem nächsten
Parkplatz zu einer außertourlichen Rast zu bewegen. Leider
war die Telefonnummer nicht bekannt. Auch der Versuch das Büro
der Reisebuslinie zu erreichen schlug fehl, da Samstag gegen
14:30 Uhr niemand in der deutschen Zentrale zu erreichen ist.
Die englischen, spanischen und portugiesischen Servicenummern
waren ebenfalls nicht erreichbar, hatten aber im Unterschied
dazu wenigstens einen Anrufbeantworter geschaltet. Dass der
Text auf dem AB. Zwar sehr nett und freundlich war, aber auf
die normalen Bürozeiten am Montag verwies, half uns in
dieser Situation nicht wirklich weiter. Eine Notrufnummer oder
Zentralnummer bei Reiseproblemen war nicht zu bekommen.
Die Not dieser Reisenden, ohne Papiere und Geld
(die waren im Handgepäck im Bus) ohne weitere Kleidung
(es begann wie meist am Wochenende zu regnen) in einem fremden
Land allein, ohne Freunde oder Reisepartner da zu stehen heizte
ihr Temperament noch deutlich an.
Durch intensive Recherche konnte ich die nächsten
Haltestellen des Linienbusses in Erfahrung bringen. Weiter kam
ich auf den Gedanken, dass vielleicht das Rasthofpersonal vielleicht
noch eine Idee haben könnte. denn ich dachte, dass dieses
Missgeschick, doch sicher schon mehreren Personen widerfahren
ist. Gesagt getan, aber dort konnte man mir ebenfalls nicht
weiterhelfen. Plötzlich tauchte ein Taxi auf, welches von
der Raststätte organisiert worden war und bot an den Bus
evtl. noch einholen zu wollen (der Bus hatte gut 45 Minuten
Vorsprung!!!). Da die Dame ja akut Mittellos war, und nur ihr
Busticket dabei hatte. bat mich der vermeintliche Helldriver
eine Sicherheitsleistung von Mindestens 50 € zu hinterlegen.
Ich könne ja dann mit der Dame abrechnen, aber wir müssten
jetzt schnell los. Da ich dem Vorschlag auch bei 30 € nichts
abgewinnen konnte verlies dieser schimpfend und fluchend mit
quietschenden Reifen die Raststätte.
Puuh
Nun wurde guter Rat teuer. Nach weiteren Temperamentsausbrüchen
meines Schützlings, sah ich auf einem weiter entfernt stehenden
Parkplatz einen Bus, welcher ebenfalls den Endbahnhof München
im Frontfenster angeschrieben hatte. Ich packte also die junge
Dame und ging sehr flotten Schrittes zu diesem Bus. Der Fahrer,
der noch am Lenkrad saß, schaute mich ziemlich ungläubig
an und winkte ab. Nach langen zähen bilateralen Verhandlungen
gelang es mir, ihn wenigstens dazu zu bewegen sich wenigstens
das Busticket anzusehen. Er war bis zu diesem Zeitpunkt der
Meinung, dass das Rote Kreuz nun auch Flüchtlinge so unerkannt
weiterschicken wolle.
Erst die Tatsache, dass das Reiseticket echt war,
er den Reiseunternehmer kannte und ich ihn darauf hinwies, dass
sein Busunternehmen nur vertrauenswürdige Personen als
Fahrer einstellt, und das BRK ebenfalls
brachte
ihn dazu, die unfreiwillig gestrandete Reisende in seinem kaum
besetzten Bus mitzunehmen.
Die junge Studentin war überglücklich,
und ich hatte ebenfalls das gute Gefühl was Vernünftiges
den lieben langen Tag gemacht zu haben. Nach einer temperamentvollen
kurzen Verabschiedung trennten sich unsere Wege, und leider
weiß ich nicht, ob die Reise in diesem Punkt ein glückliches
Ende genommen hat.
A.R. 2/2009
Sonntagvormittag im Landkreis Neu-Ulm
Als ich an einem sonnigen Sonntagvormittag auf
der A7 in Richtung Neu-Ulm fuhr, errichte mich die Frage meiner
Rettungsleitstelle, wo denn mein derzeitiger Standort sei. Selbstverständlich
beantwortete ich diese Frage zur vollkommenen Zufriedenheit.
Und somit schickte mich der diensthabende Leitstellendisponent
auf einen Autobahnparkplatz, fast direkt vor meinem derzeitigen
Standort.
Der Rastplatz war zu diesem Zeitpunkt nicht stark
besucht ein Van und ein PKW in gebührendem Abstand.
Ich fuhr also vorsichtig in den Rastplatz ein, denn ich wusste
nicht was mich erwartete. Die Einsatzmeldung meines Leitstellendisponenten
war leider recht unpräzise, und hieß nur mir
gehts sehr schlecht und meine Kinder rennen im Rastplatz
herum. Der RTW mit Notarzt ist ebenfalls auf der
Anfahrt.
Langsam einfahrend sah ich eine Frau ca. 35 Jahre
(wie sich später herausstellte) barfuss, blass leuchtend,
bekleidet in Slip und BH, etwas unkoordiniert über die
Fahrbahn des Rastplatzes rennen. Auf einer Parkbank neben dem
Van saßen 3 kleine Kinder. Nachdem ich das Bike abgestellt
hatte, versuchte ich mir etwas Überblick zu verschaffen.
Die Antworten der Frau waren nicht ganz verwertbar sie
sagte nur mir geht es sehr schlecht und ich solle auf ihre Kinder
aufpassen.
Zusammen mit den Kindern versuchte ich die Dame
zu beruhigen, sie hinzusetzen, bis wir eine Decke aus dem Van
organisiert hatten. Dann legten wir sie hin. Sie war völlig
blass, kaltschwitzig, und zeigte starke Spuren eines Schockes.
Nachdem ich mein Equipment aus dem Motorrad geholt hatte. ,
halfen mir die Kinder eine Schocklage zu improvisieren. Der
gemessene Blutdruck beruhigte mich nicht, die Anlage eines venösen
Zugangs war so kaum zu schaffen. Als in diesem Moment die Rettungsmittel
eintrafen, war ich deutlich erleichtert, dass die Patientin
nun in besser gerüstete Hände kommt.
Währenddessen erzählten diese mir, dass
sie Urlaub auf dem Bauernhof im Oberallgäu gemacht hatten.
Dort hätten sie direkt Milch von der Kuh zum
Frühstück getrunken und Mama hat den Rest noch weggetrunken.
Während der Fahrt sei es dann der Mutti schlagartig schlecht
geworden und sie hätte sich plötzlich im Schwall über
das Armaturenbrett erbrochen. (Der mittlere Junge beschrieb
das Schauspiel wie einen Strahl aus einem C-Rohr (( Jugendgruppe
Feuerwehr))). Mutti hätte dann noch irgendwie versucht
einen Parkplatz zu erreichen, und so sind sie nun hier hergekommen.
In der Zeit, in der die Mutter vom Rettungsteam
versorgt wurde beschäftigte ich mich mit den Kindern um
sie abzulenken. Wir versuchten dann noch den Vater zu erreichen,
der an diesem Tage arbeitete. Ich musste ihn mit großer
Mühe davon abhalten, sofort ins Auto zu springen und hierher
zu fahren, denn 1. war die Frau in ärztlicher Behandlung,
2. die Kinder wurden versorgt, 3. muss er dann ja das Auto zurückfahren,
und 4. in seiner Aufregung ist eine Zugfahrt vielleicht besser,
zumal die Klinik in der Nähe des Bahnhofs liegt, und wir
uns um die Kinder und den Wagen kümmern.
Gesagt getan willigte er nach längerem Gespräch
ein. Nun ging es um den weiteren Verbleib der Kinder. Ein Kollege
des Rettungsteams sagte, dass er schräg gegenüber
der Wache wohne, und die Kids zu seinen in den Garten kommen
könnten. Dies wurde natürlich dem Vater mitgeteilt.
In der Zwischenzeit ca. 45 Minuten war die Frau
wieder einigermaßen Kreislaufstabil so dass sie in die
Klinik verbracht werden konnte. Wir organisierten ein weiteres
Fahrzeug, so dass RTW und NEF abrücken konnten und jemand
das Familienfahrzeug mitnehmen konnte. Nach einer Weile kamen
2 Kollegen aus benachbarter Wache. Wir brachten die Kinder im
sauberen Fahrzeug unter, und einer der Kollegen durfte den Van
mit heruntergefahrenen Fenstern auf die Wache bringen (dafür
beneide ich ihn heute noch nicht).
Wie mir im Nachhinein erzählt wurde, erholte
sich die Mutter schnell, der Vater kam im Laufe des späteren
Nachmittags, da die Fahrstrecke doch über 250 km mit der
Deutschen Bundesbahn betrug. Nach einer Nacht in der Klink,
fuhr die Familie am nächsten Morgen wieder nach Hause.
AR 2/2009
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